The Plan of Phase One

by Ari Bohdi Rasul

Strategischer Masterplan: Phase 1 der Etablierung einer Dezentralen Spirituellen Organisation (2025–2045)

1. Strategische Präambel und Langzeitvision

1.1 Das Mandat: Aufbau einer institutionellen Legende

Der vorliegende Bericht konstituiert den operativen und strategischen Bauplan für die erste Phase eines auf zwei Dekaden angelegten Transformationsprojekts. Ausgehend von der Initiative eines 44-jährigen Gründers zielt das Vorhaben darauf ab, eine organisatorische Struktur zu schaffen, die spirituelle Tradition mit technologischer Avantgarde verschmilzt. Das Ziel ist nicht weniger als die Etablierung einer dezentralen autonomen Organisation (DAO), die als Vehikel für spirituelle Entwicklung und seelsorgerische Unterstützung im digitalen Zeitalter dient.

Angesichts des Zeithorizonts von 20 Jahren ist die Planung nicht auf kurzfristige Skalierung oder spekulative Gewinne ausgerichtet, sondern auf Resilienz, Autonomie und ethische Integrität. In einer Ära, in der künstliche Intelligenz zunehmend zwischenmenschliche Interaktionen mediatisiert, muss eine spirituelle Organisation technologische Souveränität besitzen, um die Privatsphäre und das seelische Wohl ihrer Mitglieder zu garantieren. Gleichzeitig erfordert die physische Realität eine robuste rechtliche Verankerung, die Vermögenswerte schützt und Haftungsrisiken minimiert, ohne die dezentrale Natur des Vorhabens zu ersticken.

Phase 1 (Jahre 1–2) definiert sich als die Inkubations- und Konstituierungsphase. In diesem kritischen Zeitfenster wird das Fundament gelegt, auf dem die Organisation über die aktive Zeit des Gründers hinaus bestehen kann. Die Strategie folgt einem hybriden Ansatz: Sie nutzt die Rechtssicherheit der Schweiz für die physische Welt und die Innovationskraft von Web3-Protokollen für die digitale Koordination.

1.2 Die Vier Säulen der Souveränität

Um das Vorhaben langfristig – über die nächsten 20 Jahre – abzusichern, muss die Organisation auf vier Säulen ruhen, die in Phase 1 simultan errichtet werden müssen:

  1. Juristische Souveränität: Die Schaffung eines „Legal Wrappers“, der die DAO in der physischen Welt handlungsfähig macht, Bankkonten ermöglicht und Mitglieder vor Haftung schützt, ohne die Dezentralisierung zu opfern.
  2. Technologische Souveränität: Der Betrieb einer eigenen, lokalen KI-Infrastruktur für Seelsorge und Wissensmanagement, die unabhängig von den Geschäftsbedingungen großer US-Tech-Konzerne operiert und absolute Vertraulichkeit (Privacy-First) gewährleistet.
  3. Narrative Souveränität: Die Entwicklung einer mobilisierenden Erzählstruktur („Public Narrative“), die passive Beobachter in aktive Mitgestalter verwandelt und die kulturelle DNA der Organisation definiert.
  4. Finanzielle Souveränität: Die Etablierung diversifizierter Einnahmeströme jenseits klassischer Investoren durch Mechanismen wie Quadratic Funding, um die Gemeinnützigkeit und Unabhängigkeit zu wahren.

1.3 Der 20-Jahres-Horizont: Vom Gründer zur Gemeinschaft

Ein zentraler Aspekt der Planung ist das Alter des Initiators (44 Jahre). Ein 20-Jahres-Plan impliziert, dass die Organisation so strukturiert sein muss, dass sie spätestens in Phase 3 oder 4 (Jahre 15–20) vollständig ohne die exekutive Führung des Gründers operieren kann („Exit-to-Community“). Dies erfordert von Tag 1 an Governance-Strukturen, die Wissen und Entscheidungsmacht progressiv dezentralisieren. Phase 1 muss daher Mechanismen etablieren, die „Founder’s Trap“ – die Abhängigkeit von einer charismatischen Einzelperson – systematisch vermeiden, indem Prozesse und Werte in Code (Smart Contracts) und Statuten kodifiziert werden.


2. Juristische Architektur: Der Schweizer Verein als DAO-Wrapper

Die Wahl der Rechtsform ist die fundamentale Weichenstellung für die nächsten zwei Jahrzehnte. Die Schweiz hat sich global als präferierte Jurisdiktion für Krypto- und Blockchain-Projekte etabliert, insbesondere durch die Rechtssicherheit im Kanton Zug („Crypto Valley“) und anderen kryptofreundlichen Kantonen wie Neuchâtel oder Genf.1 Die Analyse der verfügbaren Optionen zeigt, dass für die Startphase eine spezifische Rechtsform klare Vorteile bietet.

2.1 Komparative Analyse: Verein vs. Stiftung

In der Schweiz stehen für Non-Profit-Vorhaben primär der Verein (Art. 60 ff. ZGB) und die Stiftung (Art. 80 ff. ZGB) zur Verfügung. Für eine DAO, die demokratisch wachsen und sich technologisch agil entwickeln soll, ist diese Unterscheidung von strategischer Bedeutung.

2.1.1 Die Stiftung: Der starre Tresor

Die Stiftung ist eine verselbstständigte Vermögensmasse, die einem unveränderlichen Zweck dient. Sie hat keine Mitglieder, sondern Destinatäre (Begünstigte) und einen Stiftungsrat als Verwaltungsorgan.3

  • Vorteile: Hohe Reputation, „Asset Lock“ (Vermögen ist langfristig gesichert), klare Trennung vom Stifter.
  • Nachteile: Extrem starr. Eine spätere Änderung des Zwecks ist nur unter strengsten Auflagen möglich.4 Die Gründung erfordert Mindestkapital (i.d.R. 50.000 CHF) und unterliegt staatlicher Aufsicht, was Innovationen verlangsamen kann.5
  • Bewertung: Für Phase 1 zu schwerfällig und unflexibel. Eine Stiftung eignet sich für Phase 3 oder 4, um das akkumulierte Vermögen der DAO langfristig zu sichern, wenn das Geschäftsmodell stabil ist.

2.1.2 Der Verein: Das agile demokratische Gefäß

Der Verein ist eine körperschaftliche Verbindung von Personen. Er entsteht durch die Einigung auf Statuten und benötigt kein Mindestkapital.2

  • Vorteile: Maximale Flexibilität. Die Statuten können durch die Generalversammlung jederzeit angepasst werden, was für ein evolvierendes Tech-Projekt essenziell ist.4 Er ist demokratisch („One Person, One Vote“), was dem DAO-Ethos entspricht. Er benötigt keine Eintragung ins Handelsregister, sofern er keinen kaufmännischen Zweck verfolgt (wobei für DAOs eine Eintragung oft ratsam ist, um Vertrauen zu schaffen und Bankkonten zu erhalten).5
  • Strategische Passung: Der Verein ist der ideale „Wrapper“ für Phase 1. Er erlaubt einen schnellen Start, schützt die Mitglieder vor persönlicher Haftung (Art. 75a ZGB) und kann später in komplexere Strukturen überführt werden oder eine Stiftung gründen.

Entscheidung: Das Projekt wird in Phase 1 als Schweizer Verein konstituiert.

2.2 Hybride Governance: Integration von Code und Gesetz

Die größte Herausforderung besteht darin, die traditionellen Anforderungen des ZGB mit den innovativen Mechanismen einer DAO zu synchronisieren. Ein „leerer“ Verein reicht nicht aus; die Statuten müssen spezifisch als Schnittstelle zur Blockchain formuliert werden.

2.2.1 Das Zwei-Kammer-System

Um rechtlich konform zu bleiben und gleichzeitig dezentral zu agieren, empfiehlt sich ein hybrides Governance-Modell.

  • Die juristische Kammer (Der Verein): Besteht aus den Gründungsmitgliedern und später geprüften Kernmitgliedern. Sie hält die rechtliche Haftung, die Bankkonten und die Verträge (z.B. Server-Hosting). Die Generalversammlung (GV) ist rechtlich das höchste Organ.
  • Die digitale Kammer (Die DAO): Besteht aus Token-Holdern (Community). Sie trifft Entscheidungen über Protokoll-Updates, Community-Budgets und inhaltliche Ausrichtung via Blockchain-Voting (z.B. Snapshot).

Statutarische Brücke: Die Statuten des Vereins müssen eine Klausel enthalten, die den Vorstand („Council“) verpflichtet, die Beschlüsse der DAO umzusetzen, sofern diese nicht gegen geltendes Recht oder den Vereinszweck verstoßen. Dies schafft eine faktische Dezentralisierung bei gleichzeitiger rechtlicher Sicherheitsleine.7

2.2.2 Spezifische Statutenklauseln für DAOs

Basierend auf Templates von Organisationen wie DAO Suisse und MME 7 sollten folgende Elemente in die Statuten aufgenommen werden:

  1. Zweckartikel (Purpose): Der Zweck muss weit genug gefasst sein, um technologische Pivots zuzulassen, aber spezifisch genug für die Steuerbefreiung.
    • Formulierungsvorschlag: „Der Zweck des Vereins ist die Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung dezentraler Technologien zur Förderung des spirituellen Wohlbefindens und der ethischen Gemeinschaftsbildung. Der Verein verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn.“ 9
  2. Digitale Willensbildung: Explizite Erlaubnis für digitale Versammlungen und asynchrone Abstimmungen.
    • Klausel: „Die Generalversammlung kann in physischer Form, hybrid oder rein digital abgehalten werden. Beschlüsse können auch auf zirkulärem Weg oder mittels elektronischer Abstimmungsverfahren (inklusive Blockchain-basierter Voting-Systeme) gefasst werden, sofern die Integrität der Stimmabgabe gewährleistet ist.“ 8
  3. Mitgliedschaftskategorien: Unterscheidung zwischen „Aktivmitgliedern“ (mit Stimmrecht im Verein) und „Passivmitgliedern/Token-Holdern“ (ohne juristisches Stimmrecht, aber mit DAO-Stimmrecht). Dies verhindert, dass jeder Token-Holder im Handelsregister identifiziert werden muss oder juristische Pflichten trägt.9

2.3 Operative Gründungsschritte (Phase 1)

Der Prozess der Vereinsgründung in der Schweiz ist schlank, erfordert aber Präzision, um spätere Hürden (Bankkonto, Steueramt) zu vermeiden.

Tabelle 1: Schritt-für-Schritt Gründungsfahrplan

SchrittAktivitätDetails & Best PracticesDauer (geschätzt)
1. KonzeptionStatutenentwurfAnpassung eines DAO-Templates (z.B. DAO Suisse). Definition der Organe: GV, Vorstand, evtl. Revisionsstelle (erst ab gewisser Größe Pflicht). 92-4 Wochen
2. TeamRekrutierung GründungsvorstandMindestens zwei Personen (Art. 60 ZGB), besser drei, um Pattsituationen zu vermeiden. Mindestens eine Person sollte Wohnsitz in der Schweiz haben (für Bank/Register oft vorteilhaft, wenn auch nicht zwingend für Verein, aber für Stiftung/GmbH). 102-4 Wochen
3. GründungsaktGründungsversammlungAbhaltung der Versammlung. Protokollierung: Annahme der Statuten, Wahl des Vorstands. Unterzeichnung durch Gründungsmitglieder. Wichtig: Das Protokoll ist das Schlüsseldokument für Banken.1 Tag
4. DomizilierungSitzwahlAuswahl eines Sitzes (Kanton). Zug ist steuergünstig und krypto-affin, aber teurer in der Miete. Alternativen: Neuchâtel, Zürich. C/o-Adresse bei Anwalt oder Treuhänder genügt für den Start. 11 Woche
5. RegisterHandelsregister (HR)Optional, aber für DAOs empfohlen. Erhöht Vertrauen und Kreditwürdigkeit. Kosten ca. 500-800 CHF. Erfordert notariell beglaubigte Unterschriften. 102-3 Wochen
6. BankingKontoeröffnungKritischster Schritt. Traditionelle Banken lehnen Krypto oft ab. Fokus auf Krypto-Banken (Sygnum, SEBA, Amina) oder Fintechs (Yuh, Relai) legen. Dokumente: Statuten, Protokoll, KYC der Vorstände. 14-12 Wochen
7. SteuernSteuerbefreiung (Tax Ruling)Einreichen eines Gesuchs beim kantonalen Steueramt für Gemeinnützigkeit. Voraussetzung: Mittelverwendung ausschließlich für den Zweck, keine Gewinnausschüttung. 43-6 Monate

3. Technologische Souveränität: Das Private KI-Seelsorge-System

Das Kernprodukt der Organisation in Phase 1 ist ein KI-gestütztes System für spirituelle Begleitung und Wissensvermittlung. In einem Bereich, der tiefste menschliche Vulnerabilität berührt (Seelsorge), ist der Schutz der Privatsphäre nicht verhandelbar. Ein Rückgriff auf zentralisierte Cloud-APIs (OpenAI, Anthropic, Google) birgt das Risiko der Datenüberwachung, Zensur oder der Nutzung sensibler Gespräche für das Training zukünftiger Modelle.11

Daher muss die Organisation eine „Local-First“ & „Open-Weight“ Strategie verfolgen. Das bedeutet: Die KI läuft auf Infrastruktur, die physikalisch und logisch unter der Kontrolle des Vereins steht.

3.1 Modell-Selektion: Ethische und Technische Abwägung

Für eine „empathische“ KI, die spirituell beratend tätig ist, sind zwei Faktoren entscheidend: Die Qualität des Sprachmodells (Reasoning, Nuance) und die Kontrollierbarkeit (Fine-Tuning, System Prompts).

3.1.1 Vergleich Open-Source Modelle 2025

Basierend auf aktuellen Benchmarks 13 kristallisieren sich zwei Hauptkandidaten heraus:

Tabelle 2: Modellvergleich für spirituelle Chatbots

FeatureMistral 7B (v0.3 / Nemo)Llama 3 (8B / 70B)Empfehlung Phase 1
HerkunftFrankreich (Mistral AI). Europäische Werte, DSGVO-Nähe.USA (Meta). Corporate Governance.Mistral(Souveränität)
LizenzApache 2.0 (Sehr frei).Llama Community License (Restriktionen bei >700M Nutzern).Mistral(Rechtssicherheit)
RessourcenSehr effizient. Läuft auf Consumer-Hardware (z.B. MacBook M2/M3, Gaming PC).8B ähnlich effizient. 70B benötigt Server-Infrastruktur (2x A100 GPUs).Mistral 7B(Kosten)
Zensur/AlignmentWeniger stark „vor-zensiert“. Lässt sich leichter auf spirituelle/unorthodoxe Themen finetunen.Starkes „Safety Alignment“ durch Meta, was bei sensiblen Themen zu Blockaden führen kann.Mistral(Flexibilität)
LeistungHervorragend in logischer Verknüpfung und europäischer Sprachen (Deutsch/Französisch). 16Führend in Benchmarks, aber oft „overkill“ für Chat.Mistral(Ausreichend)

Strategische Wahl: Für Phase 1 wird Mistral 7B (Instruct oder Nemo Version) empfohlen. Es bietet die beste Balance aus Leistung, Kosten und europäischer Datenhoheit.15 In späteren Phasen kann auf größere Modelle (Mixtral 8x7B oder Llama 70B) skaliert werden, sobald eigene Server-Hardware finanziert ist.

3.2 Die RAG-Architektur (Retrieval-Augmented Generation)

Ein Sprachmodell allein kann nicht seelsorgerisch tätig sein, da es halluzinieren kann und keinen Zugriff auf spezifische spirituelle Doktrinen oder Vereinswerte hat. Die Lösung ist eine RAG-Architektur. Hierbei wird das Wissen der Organisation (Texte, Gebete, psychologische Leitfäden) in einer Datenbank gespeichert. Bei einer Nutzeranfrage sucht das System relevante Textstellen und gibt diese der KI als Kontext mit.11

3.2.1 Komponenten des Tech-Stacks (Offline-Capable)

Um absolute Unabhängigkeit zu garantieren, muss der Stack vollständig Open Source und offline-fähig sein:

  1. Inferenz-Engine: Ollama. Ein Tool, das es erlaubt, LLMs lokal (auf Linux, Mac, Windows) extrem einfach zu betreiben. Es stellt eine API bereit, die der von OpenAI ähnelt, aber lokal läuft.18
  2. Vektordatenbank: ChromaDB oder pgvector (PostgreSQL-Erweiterung). Beide sind Open Source und können lokal gehostet werden. Sie speichern die „Embeddings“ (mathematische Repräsentationen) der Wissensbasis.18
  3. Orchestrierung: LangChain oder LlamaIndex. Diese Frameworks verbinden den Chat-Input des Nutzers mit der Datenbank und dem LLM. Sie steuern den Fluss: Nutzerfrage -> Suche in Datenbank -> Gefundene Texte + Frage an Mistral -> Antwort an Nutzer.20
  4. Frontend: Open WebUI (früher Ollama WebUI). Ein Chat-Interface, das optisch ChatGPT ähnelt, aber vollständig lokal läuft und Nutzerverwaltung sowie Dokumenten-Upload (RAG) „out of the box“ unterstützt.19

3.2.2 Datenschutz-Design: PII Scrubbing

Ein kritischer Aspekt der Seelsorge ist der Schutz personenbezogener Daten (PII – Personally Identifiable Information). Auch wenn das System lokal läuft, sollte „Privacy by Design“ implementiert werden:

  • Anonymisierung: Vor der Speicherung oder Verarbeitung sollte ein lokaler Filter (z.B. Microsoft Presidio oder reguläre Ausdrücke) Namen, Adressen und Telefonnummern aus dem Chat-Text entfernen oder maskieren.12
  • Kein Training auf Nutzerdaten: Es muss technisch sichergestellt werden, dass Nutzer-Chats nicht in das Training des Modells zurückfließen. RAG nutzt Daten nur als temporären Kontext, was datenschutzrechtlich sicherer ist als Fine-Tuning auf Nutzerdaten.11

3.3 Fine-Tuning für Empathie und Tonalität

Während RAG das Wissen liefert, liefert das Basismodell den Ton. Standard-Modelle sind oft roboterhaft oder zu sachlich. Um eine „seelsorgerische Persona“ zu schaffen, ist in Phase 1 ein leichtes Fine-Tuning (SFT – Supervised Fine-Tuning) oder zumindest fortgeschrittenes System Prompting nötig.23

  • Der „System Prompt“: Dies ist die „Regieanweisung“ an die KI.
    • Beispiel: „Du bist ein weiser, geduldiger und nicht-urteilender spiritueller Begleiter. Deine Aufgabe ist es, dem Nutzer Raum zu geben und Trost zu spenden, basierend auf den Prinzipien. Erteile keine medizinischen Ratschläge. Wenn du unsicher bist, antworte mit einer Frage, die zur Selbstreflexion anregt.“
  • Datensätze für Empathie: Für ein späteres Fine-Tuning (ab Jahr 2) können Datensätze verwendet werden, die emotionale Intelligenz trainieren (z.B. EmpatheticDialogues oder MERR Dataset), um die emotionale Resonanz des Modells zu verbessern.24

4. Die Narrative Identität: Public Narrative nach Marshall Ganz

Technologie und Recht bilden das Skelett, aber das Narrativ ist das Blut der Organisation. Besonders bei einem spirituellen Projekt entscheidet die Qualität der Erzählung über Anziehungskraft und Vertrauen. Marshall Ganz, Legende des Community Organizing an der Harvard Kennedy School, lehrt, dass Führung darin besteht, „Verantwortung zu übernehmen, um andere zu befähigen, im Angesicht von Unsicherheit gemeinsame Ziele zu erreichen“.26 Sein Framework „Public Narrative“ ist das Werkzeug, um Werte in Handlungsenergie zu übersetzen.

4.1 Die Dreifaltigkeit des Narrativs

Für Phase 1 müssen drei Kern-Narrative schriftlich fixiert und in jeder Kommunikation (Webseite, Grants-Anträge, Community Calls) konsistent verwendet werden.

4.1.1 Story of Self: Die Berufung des Gründers

Hier müssen Sie Ihre persönliche Motivation als 44-Jähriger offenlegen. Warum dieses Projekt? Warum jetzt?

  • Challenge (Herausforderung): Welcher Bruch in Ihrer Biographie oder welche Beobachtung in der Welt hat Sie alarmiert? (z.B. „Ich sah, wie Technologie uns verbindet, aber unsere Seelen vereinsamen lässt.“)
  • Choice (Entscheidung): Welchen Moment der Entscheidung gab es? (z.B. „Ich entschied mich, nicht länger passiv zuzusehen, sondern meine Erfahrung zu nutzen, um einen Gegenpol zu schaffen.“)
  • Outcome (Ergebnis): Was ist die Hoffnung? (z.B. „Die Gründung dieser Organisation.“)
  • Funktion: Authentizität schafft Vertrauen. Menschen folgen keinen Institutionen, sie folgen Menschen, die für Werte einstehen.28

4.1.2 Story of Us: Die Identität der Gemeinschaft

Wer sind „wir“? Die „Story of Us“ verbindet die individuelle Geschichte des Gründers mit den Werten der Community.

  • Geteilte Werte: Welche Erfahrungen teilen die potenziellen Mitglieder? (z.B. „Wir alle spüren die spirituelle Leere des Materialismus und die Kälte der Algorithmen.“)
  • Verbindung: Das Narrativ muss Momente der Solidarität beschwören. „Wir sind diejenigen, die glauben, dass KI ein Werkzeug des Mitgefühls sein kann, wenn sie in den richtigen Händen liegt.“ 29

4.1.3 Story of Now: Die Dringlichkeit des Handelns

Warum muss jetzt gehandelt werden? Die „Story of Now“ verwandelt passive Zustimmung in Aktivität (Spenden, Beitritt).

  • Die Bedrohung: Was passiert, wenn wir nichts tun? (z.B. „Wenn wir jetzt keine ethische KI-Seelsorge aufbauen, wird dieser Raum von profitgetriebenen Konzernen besetzt, die unsere intimsten Sorgen monetarisieren.“)
  • Die Hoffnung/Strategie: Es gibt einen glaubwürdigen Weg zum Erfolg. „Wir haben die Technologie (Open Source) und das Recht (Schweizer Verein), wir brauchen nur noch dich.“
  • Call to Action: Eine konkrete, machbare Handlung. „Tritt dem Verein bei, spende in der Gitcoin-Runde.“ 28

4.2 Operative Umsetzung des Narrativs

  • Gründungs-Manifest: Schreiben Sie diese drei Geschichten in ein „Founding Manifesto“. Dieses Dokument ist wichtiger als der Business Plan.
  • Rituale: Integrieren Sie die Geschichten in die Meetings. Beginnen Sie jeden Community-Call mit einer kurzen „Story of Us“, die ein aktuelles Ereignis reflektiert.
  • Leadership Development: Nutzen Sie das Framework, um andere Leiter zu trainieren. Jeder, der eine Rolle übernimmt, sollte seine eigene „Story of Self“ erzählen können.30

5. Ökonomische Nachhaltigkeit: Quadratic Funding und Web3-Philanthropie

Herkömmliche Finanzierungswege (Venture Capital) sind für ein langfristiges, spirituelles Projekt ungeeignet, da sie Profitmaximierung und schnellen Exit verlangen. Die Alternative ist Web3-Philanthropie, spezifisch Quadratic Funding (QF). Dies ist ein Mechanismus, der Projekte belohnt, die von vielenMenschen unterstützt werden, nicht nur von reichen.31

5.1 Das Prinzip Quadratic Funding (QF)

QF ist der mathematisch optimierte Weg, „Public Goods“ (öffentliche Güter) zu finanzieren.

  • Mechanismus: Es gibt einen Matching-Pool (z.B. 100.000 $ von Sponsoren wie der Ethereum Foundation). Wenn Projekt A eine Spende von 1.000 $ von einer Person erhält und Projekt B 1.000 $ von hundert Personen (je 10 $), erhält Projekt B einen massiv höheren Anteil aus dem Matching-Pool.
  • Bedeutung: Dies demokratisiert die Förderung. Für Ihr Projekt bedeutet das: Sie brauchen keine Großspender, sondern eine breite Basis von Unterstützern, die kleine Beträge geben.32

5.2 Strategie für Gitcoin Grants

Gitcoin ist die wichtigste Plattform für QF. Um hier erfolgreich zu sein, müssen spezifische Kriterien erfüllt werden.

5.2.1 Berechtigung (Eligibility)

Um an den großen „OSS“ (Open Source Software) Runden teilzunehmen, muss das Projekt:

  • Open Source sein: Der Code (oder Teile davon) muss öffentlich auf GitHub liegen.34
    • Strategie: Auch wenn die KI-Infrastruktur privat ist, können Sie die Konfigurationsdateien, das Governance-Framework (Statuten als Markdown) oder das Frontend-Interface als Open Source veröffentlichen.
  • Aktivität zeigen: Das GitHub-Repo muss aktiv sein (Commits in den letzten 30 Tagen).
  • Ethereum-Bezug: Oft wird ein Bezug zum Ethereum-Ökosystem verlangt. Argumentieren Sie, dass Ihre DAO Ethereum-basierte Governance nutzt.36

5.2.2 Onboarding-Prozess Gitcoin

  1. Gitcoin Passport: Erstellen Sie ein Profil und verifizieren Sie Ihre Identität (Social Media, ETH-Adresse), um Ihren „Trust Score“ zu erhöhen. Dies ist zwingend, um als seriöses Projekt zu gelten.37
  2. Project Builder: Erstellen Sie das Projekt im „Gitcoin Builder“. Hier laden Sie Ihr Narrativ hoch (Story of Now!). Nutzen Sie visuell starke Banner.4
  3. Bewerbung: Bewerben Sie sich proaktiv für spezifische Runden (z.B. „Web3 Community & Education“ oder „dApps & Apps“).35

5.3 Alternativen für Non-Crypto-Spender: Giveth & Fiscal Hosting

Da Ihre Zielgruppe (44+) evtl. nicht krypto-affin ist, müssen Hürden abgebaut werden.

  • Giveth.io: Eine Plattform, die sich auf „Giving“ fokussiert und nutzerfreundlicher für Non-Profit ist. Sie erlaubt oft Spenden via Kreditkarte, die im Hintergrund in Krypto gewandelt werden. Giveth führt eigene QF-Runden durch.38
  • Fiscal Hosting (Open Collective): Um rechtssicher Spenden anzunehmen, bevor der Verein voll operativ ist oder um die Buchhaltung zu vereinfachen, können Sie einen „Fiscal Host“ nutzen (z.B. Open Source Collective).
    • Vorteil: Der Host stellt seine rechtliche Entität und Bankverbindung zur Verfügung. Spenden gehen an den Host, dieser hält sie für Sie und zahlt Ausgaben gegen Beleg. Dies löst das Problem der Kontoeröffnung für Krypto-Projekte.39

6. Operativer Implementierungsplan (Monate 1–24)

Dieser detaillierte Plan bricht die Strategie in monatliche Arbeitspakete für Phase 1 herunter.

Phase 1.1: Konzeption & Kernteam (Monat 1–4)

  • Monat 1: Narrative Fundierung
    • Aktion: Schreib-Retraite (Wochenende). Verfassen des „Founding Manifesto“ basierend auf Ganz (Self, Us, Now).
    • Aktion: Definition der „Spirituellen Axiome“ für die KI. Was darf sie sagen, was nicht? (Erstes ethisches Framework).
  • Monat 2: Team-Rekrutierung
    • Aktion: Identifikation von 2 Mitstreitern für den Vereinsvorstand. Ideale Profile: 1x Juristisch/Admin, 1x Technisch.
    • Methode: Nutzen Sie das Narrativ, um diese Personen zu gewinnen. Kein Gehalt, sondern „Equity“ in Form von Reputation und späterer Governance-Power.
  • Monat 3: Statuten & Struktur
    • Aktion: Finalisierung der Vereinsstatuten. Integration der DAO-Klauseln (Digitale GV, Token-Voting).
    • Aktion: Entscheidung über Sitz (z.B. Zug oder Heimatkanton). Aufsetzen einer c/o Adresse.
  • Monat 4: Die Gründung
    • Aktion: Abhalten der Gründungsversammlung. Unterzeichnung Protokoll und Statuten.
    • Aktion: Einrichten von Kommunikationskanälen (Signal/Telegram für Core Team, Discord für spätere Community).

Phase 1.2: Technisches MVP & Infrastruktur (Monat 5–10)

  • Monat 5: Hardware & Setup
    • Aktion: Anschaffung des Servers (Budget ca. 2000-3000 CHF für starke GPU/RAM). Standort: Sicherer Ort (Home Office oder Colo).
    • Aktion: Installation Linux/Docker/Ollama.
  • Monat 6: KI-Implementierung
    • Aktion: Download & Test von Mistral 7B.
    • Aktion: Setup Open WebUI. Erste Chats intern testen.
  • Monat 7: Knowledge Engineering (RAG)
    • Aktion: Aufbau der ChromaDB.
    • Aktion: Ingestieren (Einlesen) der ersten 10-20 Kerntexte (eigene Schriften, gemeinfreie spirituelle Texte).
    • Aktion: Testen der Retrieval-Qualität. Findet die KI die richtigen Textstellen?
  • Monat 8: Prompt Engineering
    • Aktion: Entwicklung des „Master System Prompts“ für die seelsorgerische Persona.
    • Aktion: Implementierung der PII-Scrubbing-Filter (Datenschutz).
  • Monat 9-10: Interne Beta
    • Aktion: Nutzung des Bots durch das Kernteam. Feedback-Schleifen.
    • Aktion: Dokumentation des Codes auf GitHub (Vorbereitung für Gitcoin).

Phase 1.3: Funding & Public Launch (Monat 11–18)

  • Monat 11: Vorbereitung Gitcoin
    • Aktion: Erstellung Gitcoin Passport.
    • Aktion: Einrichten des Project Builder Profils.
    • Aktion: Video aufnehmen (Gründer erzählt „Story of Now“).
  • Monat 12: Erste Gitcoin Runde
    • Aktion: Aktive Teilnahme an einer Quarterly Grants Round.
    • Aktion: Community-Mobilisierung: Bitten Sie 50 Freunde/Bekannte, je 5$ zu spenden (für QF-Effekt).
    • Ziel: 5.000$ Funding erreichen.
  • Monat 13-15: Erweiterung der Community
    • Aktion: Öffentlicher Discord-Launch.
    • Aktion: Erste „Community Calls“.
    • Aktion: Onboarding erster „Passivmitglieder“ (Token Holder).
  • Monat 16-18: Professionalisierung
    • Aktion: Beantragung Steuerbefreiung (wenn nötig).
    • Aktion: Evtl. Eintragung Handelsregister (wenn Wachstum dies erfordert).
    • Aktion: Erstes Audit der Finanzen (intern).

Phase 1.4: Stabilisierung & Vorbereitung Phase 2 (Monat 19–24)

  • Monat 19-24: Konsolidierung
    • Aktion: Auswertung der ersten 2 Jahre.
    • Aktion: Überarbeitung der Statuten (Lessons Learned).
    • Aktion: Planung der Dezentralisierung (Wie kann Macht vom Vorstand an die Token-Holder abgegeben werden?).

7. Zusammenfassende Risikoanalyse

  • Technologisch: Die lokale KI könnte zu langsam sein oder qualitativ hinter GPT-4 zurückbleiben. Mitigation: Fokus auf Spezialisierung (Seelsorge) statt Allgemeinwissen. Qualität der Daten in der RAG-Datenbank ist wichtiger als Modellgröße.
  • Rechtlich: Regulatorische Änderungen im Krypto-Bereich. Mitigation: Der Schweizer Verein ist extrem robust. Solange keine Dividenden fließen, ist das Risiko gering.
  • Menschlich: Verlust des Interesses oder Burnout. Mitigation: Das Narrativ und die Community müssen tragen, nicht nur der Gründer. Das Verteilen von Verantwortung (Roles) ab Jahr 2 ist essenziell.

Mit diesem Plan legen Sie in Phase 1 ein Fundament, das rechtlich unangreifbar (Verein), technologisch souverän (Local AI) und finanziell resilient (Quadratic Funding) ist. Es ist der Startpunkt für ein 20-jähriges Vermächtnis.

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